Geschichte der Schokolade
Schokolade und Kakao sind ein umfangreiches Thema.
Etwas Wissen schadet bekanntlich nicht und so versuchen wir etwas über Schokolade und Kakao zu vermitteln.
Hier finden Sie einen kleinen Überblick, von der Jahrtausende Historie der Schokolade, über die Herstellung bis hin zu erstaunlichen Kuriositäten.
Die Geschichte der Schokoladenkultur von ihrer Entstehung bei den Olmeken in Mittelamerika bis zur Entdeckung Amerikas durch Kolumbus.
Die Hochkultur der Maya entsteht und beherrscht weite Teile Mittelamerikas. Kakaobohnen sind nicht nur wichtiges Handelsgut sondern werden zum Kultsymbol und Zahlungsmittel.
Zahlungsmittel Kakao
Der Kakao diente aber nicht nur als Genussmittel, sondern wurde auch als Zahlungsmittel verwendet. Wieviel genau eine Kakaobohne zur Zeit des Aztekenreiches wert war, wissen wir heute nicht mehr, aber die Währung der Kakaobohnen bestand auch unter spanischer Herrschaft fort. Aus dem Jahre 1545 ist uns eine Preisliste verschiedener Waren überliefert, daraus ein kurzer Auszug:
- Ein Truthahn hat einen Wert von 200 Kakaobohnen.
- Ein Hase oder Waldkaninchen ist je 100 Kakaobohnen wert.
- Eine große Tomate entspricht dem Wert einer Kakaobohne.
- In Maishülsen gewickelter Fisch ist 3 Kakaobohnen wert.
Wie bei jeder Währung wurden auch Kakaobohnen „gefälscht“. Man ließ sie zum Beispiel in Wasser aufquellen oder gab den Bohnen künstlich eine aschgraue oder fahlrote Farbe, die Farbe der edelsten Kakaosorten. Das Fälschertalent der Azteken war so ausgeprägt, dass sie nach der Eroberung durch die Spanier begannen, deren Gold- und Silberwährung zu fälschen.
Da die Azteken nicht über eigene Anbaugebiete verfügten, konnte der Kakao nur über Abgaben und Handel ins Land gebracht werden. Dabei kam den „pochteca“, den Fernhandelskaufleuten eine besondere Rolle zu. Sie sorgten dafür, dass genug Kakao aus den reichen Anbaugebieten in die Hauptstadt Tenochtitlán floss. Dazu trieben sie regen Handel vor allem mit den Maya in der Chontalpa Region, wo eines der Hauptanbauzentren und mit Xicallanco eine der wichtigsten Handelsstädte lag. Ein weiteres für seine großen Erträge und guten Qualitäten bekannte Gebiet war Xoconochco (heute Soconusco). Soconusco, liegt an der pazifischen Küste im Grenzbereich zwischen Mexiko und Guatemala. Dieses Gebiet war den Azteken so wichtig, dass ihr Herrscher Ahuitzolts (1486-1502) es eroberte, um die Versorgung mit Kakao durch Abgaben und Tribute sicherzustellen. Das Gebiet Soconusco galt bereits vor den Azteken und noch lange nach ihnen als eines der wichtigsten Anbaugebiete mit dem besten Kakao.
Stückzahl statt Gewicht
Die Azteken, die keine Waagen kannten, berechneten den Wert bzw. die Menge der Waren nie nach Gewicht oder Umfang, sondern nach Stückzahlen. Das aztekische Zahlensystem basierte auf 20. Ein xiquipilli war bei den Azteken 8000 von etwas. Die pochteca, die ihre Waren von den Einkaufsmärkten bis zum Zentrum des Reiches trugen, oder tragen ließen, bewältigten Traglasten von drei xiquipilli Kakao, also 24.000 Kakaobohnen. Bei einem Gewicht von einem Gramm für eine getrocknete Kakaobohne trugen sie demnach 24 Kilo Bohnen von den Anbaugebieten in Tabasco und Soconusco nach Hause. In ihren Städten verfügten die Azteken über große Kakaolager. In der Hauptstadt Tenochtitlán umfaßten die Kaiserlichen Lager laut dem spanischen Chronisten Francisco Cervantes de Salazar (Quelle: Cervantes de Salazar) ca. 40.000 Traglasten Kakaobohnen, was 960 Tonnen Kakaobohnen entsprochen hätte!
Kakao hatte aber nicht nur als Genuss- und Zahlungsmittel eine hohe Bedeutung, er spielte auch in der Religion und in den Ritualen der Azteken eine wichtige Rolle. Kakaobaum und Kakaofrucht finden sich in zahlreichen Darstellungen der Azteken wieder und die Schokolade wurde als Symbol dem Blut gleichgesetzt.
Schokoladenrezepte der Azteken
Die Azteken bevorzugten ebenso wie die Maya ein schaumartiges Kakaogetränk. Um den Schaum zu erzeugen, wurde der Kakao aus einer gewissen Höhe in ein zweites Gefäß gegossen, so wie es rechts auf der Aquarellzeichnung aus dem späten 16. Jahrhundert dargestellt ist. Die in der Literatur oft genannten Holzquirle zum Erzeugen des Schaums kamen erst nach der Eroberung durch die Spanier auf. Im Unterschied zu den Maya bevorzugten die Azteken es aber, die Schokolade kalt zu trinken. Ansonsten gab es keine nennenswerten Unterschiede zwischen Azteken und Maya. Die Schokolade blieb den Mitgliedern des Königshauses, dem Adel, sowie Fernhandelskaufleuten und Kriegern vorbehalten. Getrunken wurde die Schokolade nicht einfach beim Essen sondern sie wurde nach dem Ende eines Mahls zum prunkvollen Abschluss gereicht und entsprechend hoch geachtet.
Gewürze, Aromastoffe und andere Zutaten
Einfachen Schokoladengetränken wurden gemahlener Mais und andere gemahlene Körner (z. B. Samenkörner des Woll- oder Seidenbaumwollbaums) zugegeben. Überall in Mittelamerika war die Zugabe von zerriebenem Chili sehr beliebt. Die mit Honig gesüßte Honigschokolade dürfte unserer heutigen Schokolade noch am nächsten kommen, auch die Zugabe von Vanille ist bis heute üblich. Die Azteken verwendeten darüber hinaus Achiote, verschieden Blumen (getrocknet und gemahlen), das Blütenblatt der „Cymbopetalum penduliflorum“, die Blüten des „Chiranthodendron pentadactylon“, eine „Faserblume“ genannte Pflanze, die zur Gattung der Pfeffergewächse gehört, die „Magnolia mexicana“ und die „Magnolia dealbata“. Außerdem gab es Rezepte mit Piment (Pimienta dioica) oder den Samenkernen der Sapotillfrucht (Pouteria sapota). Diese Aufzählung an Gewürzen und Zutaten ist keine abschließende Liste, sondern gibt nur eine ungefähre Vorstellung von der Vielfalt der Schokoladenzubereitung bei den Azteken an.
Schokoladenzubereitung
Die Zubereitung der Schokolade war im wesentlichen identisch mit der Zubereitung bei den Maya, deshalb hier nur eine kurze Beschreibung der Arbeitsschritte zur Herstellung von Schokolade wie sie uns vom spanischen Mönch Fray Bernandino de Sahagún, der die Azteken ausführlich über ihre Gewohnheiten befragte, überliefert ist: „Sie mahlt den Kakao [die Bohnen]; sie zerstampft, bricht und zerkleinert sie zu Pulver. Sie sortiert sie aus, verliest und trennt sie. Sie durchtränkt sie, durchfeuchtet sie, weicht sie ein. Sie fügt sparsam, zurückhaltend Wasser hinzu; sie reichert es mit Kohlensäure an, filtert es, siebt es, schüttet es hin und her, bringt es zum Sprudeln; sie lässt es eine Krone bilden, stellt Schaum her; sie entfernt die Krone, lässt es dickflüssig werden und trocknen, gießt Wasser dazu, rührt Wasser hinein.“
Und es gibt noch eine Menge über Schokolade zu erzählen …
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